Route zur Mannschaft wird neu berechnet

Draisaitl, Samanski, Stützle, Peterka

Die Mannschaft muss sich noch finden war der Sound des olympischen Turniers 2026. Ob Laufwege, die Rolle jedes Spielers oder die löchrige Verteidigung bei den Konterchancen der Gegner.

Es gab Vorschusslorbeeren. Die beste Mannschaft aller Zeiten. Eine Doku im öffentlichen Rundfunk. Zweimal gab es Silber bei der WM 2023 und Olympia 2018. Die Erwartungen waren auf Medaillenkurs getrimmt.

Ich kann immer wieder nur wiederholen, was ich aus meiner Eishockeylaufbahn gelernt habe: Defense wins games. Dazu gehört Backchecking und eine präsente Physis, die auf legalen Krawall gebürstet ist an jeder Bande, an allen Stellen auf offenem Eis. Diese Einstellung fehlte der Nationalmannschaft in Italien.

Der Mindset-Wechsel aus 2018 hat keine unendliche Laufzeit. Dieser muss bei jedem Spiel neu gewonnen werden. Letztes Jahr, bei der WM in Dänemark, gab es schon erste Vorboten, ein Ausscheiden in der Vorrunde. Beim Deutschland Cup haben wir gegen Österreich verloren.

Beim Spiel gegen Lettland gab es eine Chance zurück zum Mindset von 2018. Draisaitl hatte alleine acht Schüsse aufs Tor, keins ging rein. Zwei Strafzeiten reichten Lettland für zwei Powerplay-Tore. Mit Toren von Kälble und Reichel war die Hoffnung wieder da. Am Ende war es wieder nicht zwingend genug, zu schnörkelig, zu groß der Scheibenfokus auf die NHL Spieler.

Im Vorrundenspiel gegen die USA wurde der Unterschied deutlich, körperlich, mental und spielerisch. Die Taktik der Amerikaner ging auf. Draisaitl wurde körperlich stark angegangen und kam zu fast keinem Spielfluss.

Gegen Dänemark zeigten sich früh die defensiven Löcher. Es wurden zu viele Schüsse zugelassen und Chancen liegen gelassen. Am Ende kam ein etwas glücklicher Sieg heraus. Dank des dänischen Sieges gegen Lettland hatte das DEB-Team im Quali-Spiel gegen Frankreich die Chance ins Viertelfinale zu ziehen.

Im Viertelfinalspiel gegen die Slowakei hat mich am meisten Tom Scheunemann beeindruckt. Als Reporter glaubte er bis fünf Minuten vor Schluss an den Sieg, bei drei Toren die zu schießen waren, vielleicht glaubte es Tom mehr als die Spieler.

Ex-Kapitän Moritz Müller wurde meines Erachtens zu spät eingesetzt im Turnier. Er hat auch die ehrlichen Worte gefunden, die nötig waren. Auf dem Papier sind die einzelnen Spieler stark, aber als Mannschaft muss sie sich noch beweisen.

Was mich auch verwundert ist die Trainer-Power hinter der Bande, sogar mit dem vierfachen Stanley Cup Sieger als Co-Trainer, Jamie Kompon. Vielleicht fehlte hier die richtige Ansprache. Taktisch waren wir gegen Lettland, den USA und der Slowakei meines Erachtens nicht ideal vorbereitet.

Verlust als Chance. Dieses Jahr steht im Mai die WM wieder vor der Tür. Das kann eine Möglichkeit sein das olympische Turnier abzuhaken und die richtigen Schlüsse zu ziehen und umzusetzen. Vielleicht müssen die NHL- und DEL Spieler öfters zusammen spielen, sich besser kennenlernen, auf und abseits vom Eis.

Insgesamt sollten wir mit breiterer Brust spielen, mehr Physis aufs Eis bringen, direkter und frecher spielen. Auch wenn es einfach klingt, aber die Checks Zu Ende fahren und konsequent backchecken. Löcher schneller zu machen und mit einfachem Zug zum Tor.

Auch Schweden, die Schweiz und Tschechien sind im Viertelfinale ausgeschieden. Es ist kein Trost, verdeutlicht aber auf welchem Niveau die Top-Mannschaften sind, sie sind enger zusammen gerückt.

Ich hoffe, wir sehen Leon bald im DEB-Trikot wieder. Was er in Edmonton schon geleistet hat und auf welchem Niveau er als Jahrhunderttalent spielt, ist einzigartig. Mit 30 Jahren hat er noch einige Jahre in denen er mit seinen Mannschaften große Erfolge feiern kann.

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