Powerplay Doku

„Powerplay“ ist eine solide Bestandsaufnahme für Eishockey-Neulinge, insbesondere vor dem ersten Spiel der besten Nationalmannschaft aller Zeiten, die zur Winterolympiade am 12. Februar um 21 Uhr gegen Dänemark ihren Auftakt startet.

Die Doku bietet tiefere Einblicke in die Team-Dynamik, den Trainingsprozess und Persönlichkeiten, die das deutsche Eishockey auszeichnen.

Zentrale Figur ist Bundestrainer Harold Kreis. Ein Stilmittel des Films ist der Kaderberufungs-Countdown. Der frühere Nationalspieler weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft eine Nichtnominierung sein kann. Kreis wurde 1992 nicht für Olympia nominiert, obwohl er beim Deutschland Cup dabei war.

Es erinnert mich ein bisschen an Herb Brooks. Er gewann legendär als Trainer gegen die Sowjets 1980 in Lake Placid, nur mit College-Spielern, und am Ende die Goldmedaille gegen Finnland. Als Spieler wurde Brooks im letzten Moment nicht nominiert und sah vor dem Fernseher, wie die USA in Squaw Valley Gold gewann.

Brooks hielt vor dem Halbfinalspiel gegen die Sowjets in Lake Placid eine bewegende Rede in der Kabine. Der Film „Miracle on Ice“ zeigt den Weg der College-Boys von 1980. Der Film erschien im Jahre 2004, ein Jahr zuvor war Brooks tragischerweise in einem Autounfall gestorben.

„Powerplay“ zeigt den weiten Weg, den das deutsche Eishockey schon gegangen ist. Vom 1:19 gegen die UDSSR im Jahre 1983 zum Olympia-Finale in Südkorea in 2018. Ein paar Minuten vor Schluss führten die Eisadler sogar gegen Russland. Mit welchem Selbstverständnis die Mannschaft gegen Russland aufgetreten ist; dieser Mindset-Wechsel ist ein Meilenstein.

Was ich sofort zusammen mit Leon Draisaitl unterschreiben kann: Eishockey ist wohl eine der schwierigsten Sportarten überhaupt. Du musst erst einmal richtig Schlittschuhlaufen können. Hinzu kommt die Kombination aus Schnelligkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer, einzigartig in der Mischung. Einen Eishockeyspieler erkennt man meistens an den O-Beinen, den kräftigen Beinen und dem größeren Hinterteil.

Grundsätzlich zeigt die Entwicklung des deutschen Eishockeys in die richtige Richtung. Seitdem die Eisadler zweimal Silber geholt haben, bei Olympia 2018 und der WM 2023, gab es letztes Jahr einen kleinen Dämpfer. Die WM in Dänemark war enttäuschend. Leider sind wir in der Vorrunde ausgeschieden. Dänemark war als Austragungsort ebenfalls enttäuschend; viele Sitze waren leer, und die Begeisterung der Zuschauer hielt sich in Grenzen.

Schön zu sehen waren die Einblicke in das Leben einzelner Spieler, wie die Freundschaft zwischen Tiffels und Draisaitl. Freddy war auf Leons Hochzeit im letzten Sommer. Um auf diesem Niveau zu spielen, sind die Entbehrungen hoch. Umso wichtiger sind Freunde, die verstehen, was das bedeutet.

Leon kommt öfters zu Wort. Mir war bewusst, dass sein Onetimer unerreicht in der NHL ist. Der beste deutsche Eishockeyspieler aller Zeiten kann aus jedem nur erdenklichen Winkel bei direkter Annahme Tore schießen. Zum ersten Mal habe ich von ihm gehört, dass er explizit eine Komponente in seinem Spiel gesucht hat, um gefährlicher zu werden, dabei hat er den Onetimer gefunden.

Produziert wurde der 60-minütige Film von den beetz brothers. Regie führten Jens Pfeiffer und Mario Kottkamp.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als Medien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert